Aspern (Seestadt), ein neuer Stadtteil in Wien.

 Aspern (Seestadt), ein neuer Stadtteil in Wien.


Der ökologische Stadtteil “Aspern” wächst in Wien auf einem ehemaligen Flugfeld, 10km vom Stadtzentrum entfernt, für 30.000 Menschen. Nach zehn Jahren Bauzeit ist das erste Drittel des neuen Stadtteils fertig, in dessen Mitte ein künstlicher See mit Badestelle und Uferpromenade liegt. Moderne Geschosswohnungsbauten gruppieren sich um das Zentrum mit Geschäften, Restaurants und Cafes, überragt vom zweithöchsten Holz-Hochhaus der Welt, dem HoHo.


[30 Millionen Kubikmeter Holz wachsen in Österreich jährlich. Davon werden 26 Millionen Kubikmeter genutzt und die restlichen 4 Millionen verbleiben im Wald, um den Holzvorrat zu vergrößern. In jeder Sekunde wächst 1 Kubikmeter Holz in Österreich nach. Das gesamte HoHo Wien ist in einer Stunde und 17 Minuten in österreichischen Wäldern gewachsen.]


Es entstehen auch Schulen, Kitas und bis zu 20.000 Arbeitsplätze. All das so klimafreundlich wie möglich. Auf den Dächern gibt es Solaranlagen, unter der Erde Wärmespeicher und die modernste Energieffizienztechnik in den Gebäuden. Als Stadt der kurzen Wege haben Fußgänger und Radfahrer Vorrang. Auf den Straßen gilt entweder ein Tempolimit von 30 km/h oder 20 km/h.


Im Jahr 2007 setzte Architekt Johannes Tovatt sich mit seiner Idee eines zentralen Sees mit einer Ringstraße im Wettbewerb durch. Er nannte seinen Masterplan "eine Art Partitur", die festlegt, wie die Straßen und Plätze funktionieren. Sie definiert die Beziehungen zwischen privaten, halböffentlichen und öffentlichen Räumen sowie "Dichte und Sichtlinien". Man sei in der Seestadt nie weiter als eineinhalb Blöcke vom Grünen entfernt.


100 Millionen Euro stellten die Projektpartner Siemens und Wiener Stadtwerke für das Forschungsprojekt Aspern Smart City Research (ASCR) zur Verfügung, um zu verstehen, wie sich der Energieverbrauch einer rasant wachsenden Stadt verringern lässt und was die Menschen dabei am besten zum Mitmachen motiviert. Über 250.000 Sensoren liefern jeden Tag 1,5 Millionen Datensätze über Energieerzeugung, -verbrauch und -versorgung der Gebäude. Die Bewohner werden durch Interviews und Tagebücher befragt.


Jetzt liegen die ersten Ergebnisse vor. Die neue Technik funktioniert überraschend reibungslos und spart zwischen 10 und 20 Prozent des Energiebedarfs bei Heizung, Lüftung, Stromversorgung und Wasserversorgung. Zum Beispiel werden Luftfilter nur gewechselt, wenn die Luftstrom- und Druckdifferenz- Sensoren dies erfordern.


Weniger Erfolg gab es beim Mitmachen. Eine Smart-User-App sollte die Einwohner zu besonders sparsamem Verhalten durch viele Informationen motivieren, beispielsweise den Strom- und Heizungsverbrauch. Man kann den Verbrauch mit dem anderer Jahre vergleichen und sie mit der App fernsteuern. Alle diese Funktionen werden aber kaum genutzt, weil die Einwohner sie oft nicht verstehen. Deshalb gibt es neuerdings für jedes Gebäude eine Energie-Vertrauensperson als Ansprechpartner.


#### ab hier weiter:

Die Öberflächen Asperns sind für Menschen. Die Leute sind angehalten in den Tiefgaragen zu parken. Es gibt hauptsächlich Kurzparkzonen und nicht viele davon. Autos dürfen nicht am Straßenrand parken, sondern nur in Garagen, die von jeder Wohnung weiter entfernt sind als die nächstgelegene Haltestelle für Bus, S- oder U-Bahn. Man nennt diese Kombination aus Parkplatznot und gutem ÖPNV “Push and Pull”. Pro Einwohner sind nur halb so viele PKWs zugelassen wie im Rest von Wien:

  • 250 PKWs pro 1.000 Einwohner in der Seestadt.

  • Der Durchschnitt in Wien liegt bei 350 pro 1.000 Einwohner.

  • In dem gesamten 22. Bezirk sind es 430.

Statistisch gesehen, werden 20% der Wege mit dem Auto und 80% mit OPNV, Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt.


Der Architekt des Masterplans der Stadt würden gerne weniger Autos in dem Stadtteil haben. Die Hochgaragen wurden darauf ausgelegt und als Hybrid-Gebäude geplant. Sie können geschossweise für Wohn- und Büronutzung umgebaut werden. Heute werden die Erdgeschosszonen von Geschäften, Bildungs- und Kultureinrichtungen genutzt. Ins Erdgeschoss der zentralen Seehub-Garage soll demnächst ein Trampolinpark einziehen. Auf dem Dach gibt es bereits einen Fußballplatz.


Die U2 fährt als Hochbahn durch die Seestadt. Wie ein grünes Band mäandert der Elinor-Ostrom-Park unter der Bahnstraße. Es gibt Spielplätze, einen Kletterwald, eine Halfpipe für Skater und BMX-Fahrer. Angst auslösende dunkle Passagen wie in anderen Großstädten gibt es dort nicht. Grüner sein: Hecken und Grasflächen. 95% aller Wohnungen haben einen Freiraum: Garten, Balkon, Terrasse oder Loggia. Aufgrund des geringen Verkehrs werden Balkone auch straßenseitig gebaut.


Manche Einwohner wünschen sich mehr Grün in der Seestadt. In 10 Jahren sollte es anders sein, wenn die Bäume gewachsen sind. Viel Infrastruktur wird unter der Erde bereitgestellt, beispielsweise Wasserabflüsse und Sicherheitstechnik. Die Stadtplaner optimierten die Feuerwege, damit mehr Bäume wachsen konnten. Die Häuser wurden von 20 verschiedenen Architekten entwickelt.


Einige Bürger Wiens beschreiben die Seestadt als “Schlafstadt” oder “Getto”. Deswegen haben manche Einwohner der Seestadt einen Dokumentarfilm gedreht, um das wahre Leben in der Stadt zu zeigen:

https://www.youtube.com/watch?v=xSqw7xDVW0U&ab_channel=SeestadtTV


Links

https://www.zeit.de/2023/20/seestadt-aspern-wien-klimafreundliches-wohnen

https://www.youtube.com/watch?v=xSqw7xDVW0U&ab_channel=SeestadtTV

https://www.aspern-seestadt.at/

https://www.derstandard.at/story/2000025200445/johannes-tovatt-schoepfer-des-masterplans-fuer-die-seestadt-aspern

https://goo.gl/maps/SPoeSi8E3fMqCZHe9

https://de.wikipedia.org/wiki/HoHo_Wien



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