Ölkonzerne wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht stellen?

Ölkonzerne wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht stellen?


Juraprofessor Donald Braman und Bürger David Akush brachten Argumente in einem kürzlich veröffentlichten Kommentar vor, dass Ölfirmen sich wegen Tötungsdelikte vor Gericht verantworten sollten.


Die fossile Industrie trägt massiv zum Klimawandel bei, der Menschen tötet. Daran gibt es keinen Zweifel. Seit den 1950ern wussten die Unternehmen, dass der Klimawandel zu Fluten, Dürren, Stürmen, Toten, Massenmigrationen, Hitze und zu einem Anstieg des Meeresspiegels führen wird. Heutzutage kann man die Beiträge der Unternehmen zum Klimawandel präzis berechnen. Die Argumentation der Autoren stützt sich auf die Enthüllungen der letzten Zeit. Wissenschaftler von Shell beschrieben 1989 zwei Zukunftsszenarien. In einem gab es eine nachhaltige Zukunft durch gesunkenen Ölverbrauch und verringerte Emissionen. Das zweite Szenario nannten die Wissenschaftler “globale merkantilistische Zukunft”: Es zeichnete sich durch einen Anstieg des Ölverbrauchs aus, einhergehend mit einem katastrophalen globalen Klimawandel. Heute hat der von Shell prognostizierte Klimawandel in den USA bereits Tausende Menschen getötet.


Wie kann es strafbar sein, nach Öl zu buddeln?

Die Ölindustrie beging ein Verbrechen, denn sie machte wissentlich Geschäfte mit katastrophalen Auswirkungen und täuschte darüber hinweg. Deshalb gab es ein Unrechtsbewusstsein. Der Professor sagt: “Wir behaupten nicht, dass die Ölindustrie mit Absicht die Todesfälle verursachte, die sie vorausgesehen hatte. Ein Prozess sollte sich auf die verschiedenen Formen der unbeabsichtigten Tötung konzentrieren.”. 


Die Bürger verursachten mit ihrem Konsum aber die tödlichen Emissionen. Die Politiker subventionierten die Ölfirmen. Sind sie nicht daran schuld?

Nein, weil die Politiker und die Bürger getäuscht wurden. Die fossilen Unternehmen betrieben massive Lobbyarbeit. 1998 arbeiteten mehrere Ölkonzerne einen Plan aus, um das Kyoto-Protokol zu torpedieren.


Seit 200 Jahren wurde massenhaft Kohlendioxid in der Atmosphäre emittiert. Der Beitrag von ein paar Unternehmen kann nicht die Mehrheit sein?

Doch, der größte Beitrag zu den Emissionen wurde geleistet, seitdem die Ölkonzerne wussten, was sie taten.


Hätten die Unternehmen die Gesellschaft umfassend über die Gefahren der fossilen Brennstoffe informiert, wären Wohlstand und Nachhaltigkeit möglich gewesen. Wir wären viel weiter mit alternativen Energien. Hätten die Ölfirmen ethisch und legal gehandelt, hätten wir heute weniger Tote zu beklagen und mehr Menschen von Armut befreit.


Warum Tötungsdelikte und nicht Betrug?

Die laufenden Betrugsverfahren können nur Strafen nach sich ziehen, die von der Industrie als erträgliche Kosten angesehen werden, wie es bei den Klagen gegen die Tabakkonzerne der Fall war. Bei Tötungsdelikten ist die Bandbreite der Maßnahmen größer. Sie umfasst Geldstrafen, Beschlagnahmung von Eigentum, Unterlassungsklagen, die verfplichtende Teilnahme an Programmen, die Auferlegung von Entschuldigungen und Gefängnisstrafen. Der Professor ist der Meinung, dass die Strafverfolgung im besten Fall private Firmen in gemeinnützige umwandelt. Mit einem Tötungsdelikt könnte man die Ölfirmen verpflichten, Teil der Lösung in der Klimakrise zu werden, indem sie beispielsweise bei der Umstellung auf erneuerbare Energien helfen und Treibhausgase mit neuen Technologien aus der Atmosphäre binden.


Ich bin sehr dafür und es hat angefangen:

https://www.theguardian.com/environment/2023/may/09/italian-oil-firm-eni-lawsuit-alleging-early-knowledge-climate-crisis


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