Osteopathie - Heilen mit den Händen

Am Anfang sehen wir einen nicht an der Brust (zu stillenden) stillbaren Säugling. Er wird von einem Osteopathen mit sanften Bewegungen und Berührungen behandelt. Daraufhin (Danach) nuckelt er an einem Finger. Wenige Stunden geht der Säugling an die Brust. Die Eltern des Säuglings hatten keine frühere Erfahrung mit Osteopathie. In Frankreich müssen die Patienten die Kosten selbst tragen, die sich auf etwa 80 bis 100 Euro pro Stunde belaufen.


In Deutschland wird Osteopathie seit 30 Jahren praktiziert. Immer mehr Patienten lassen sich osteopathisch behandeln: 6 Millionen pro Jahr in Deutschland. Eine Physiotherapeutin sagt: “Ich möchte doch noch ganzheitlicher behandeln können”. Ärzte, Heilpraktiker und vor allem Physiotherapeuten bilden sich in Osteopathie weiter. Die sechsjährige, nebenberufliche Ausbildung kostet 20.000 Euro an der Still Academy in Mühlheim. 


Ein ehemaliger Beach-Volleyball-Profi musste seine Karriere aufgrund einer künstlichen Hüfte an den Nagel hängen. Seitdem nutzt er regelmäßig Osteopathie. Zum Gefallen des Profis hat der Osteopath alle seine Röntgenbilder angeschaut, denn ein Physiotherapeut würde seines Erachtens niemals danach fragen. Jetzt hat er ein Knieproblem. Knieschmerzen können viele Ursachen haben. Gemäß Osteopathie kann ein Auslöser der starke Hüftbeugemuskel sein, den viele Nerven durchziehen.


Der Hüftbeugemuskel steht mit Wirbelsäule, Becken und Oberschenkel in Verbindung. Ist er verspannt oder entzündet, könnten die Nerven starke Schmerzen bis ins Knie weiterleiten. Auch die Lendenwirbelsäule kommt als Ursache infrage. Blockaden oder Bandscheibenvorfälle können zur Schwächung der Muskeln führen, was ebenfalls Knieschmerzen nach sich ziehen kann. Darüber hinaus kommt auch eine Blockierung des Fußwurzelknochens als Auslöser in Betracht, die über die Bänder am Wadenbein bis zum Knie spürbar sein kann. Erst wenn der Osteopath ein genaues Bild von den Funktionen des Körpers hat, kann er in die Struktur eingreifen und Impulse geben. Entsprechend dieser Idee wird der Organismus danach die natürlichen Bewegungsabläufe von ganz allein wieder herstellen und sich mit seinen Selbstheilungskräften wieder ins Gleichgewicht bringen.


In dem kleinen Städtchen Kirksville im Bundesstaat Missouri entwickelte der Arzt Andrew Taylor Still vor 150 Jahren eine Heilmethode, die die damalige Vorstellung von Medizin auf den Kopf stellte.

Mit etwa zehn Jahren hatte er unbehandelbare Kopfschmerzen. Er nahm ein Seil, spannte es zwischen zwei Bäume und legte seinen Kopf darauf. Laut des Museumskurators wurden seine Kopfschmerzen mittels der Änderung des Blutflusses gelindert.

Er erforschte Knochen und Gelenke, sezierte Muskeln, Nerven und Organe. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens starben zwei seiner leiblichen Kinder innerhalb eines Monats an Hirnhautentzündung und ein Adoptivkind an Lungenentzündung, obwohl Still mehrere reguläre Ärzte und Geistliche zur Konsultation zu Rate gezogen hatte. Er begann an der von ihm geschätzten Medizin zu zweifeln.

Er ging neue Wege, experimentierte abseits der klassischen Medizin, behandelte nur mit den Händen in einer kleiner Praxis in Kirksville. Er glaubte, er würde die Medizin bereichern und dachte nicht, gegen ihre Grundsätze vorzugehen. Er entwickelte eine manuelle Technik, der er den Namen Osteopathie gab: aus dem Griechischen “osteon” für Knochen und “pathos” für Leiden (sensibel/gegenüber).

1892 eröffnete er in Kirksville die erste Schule für Osteopathie. Er ermutigte Frauen, die neue Methode zu erlernen. Schnell sprach sich der Erfolg von der Medizin, die nur mit den Händen heilt, in Missouri herum. Immer mehr Osteopathen praktizierten in Kirksville. Die Stadt baute extra ein neues Hotel zugunsten der vielen auswärtigen Patienten.


Heute befinden sich die Andrew Taylor Still Universität für Medizin und das Kirksville College für Osteopathie nicht weit vom Denkmal des Erfinders entfernt. In den USA hat Osteopathie einen anderen Stellenwert als in Europa: schon bald wird jeder fünfte Mediziner ein Osteopath sein. 33 Hochschulen bieten den Studiengang an. In Kirksville kostet er 80.000 Dollar, etwa genauso viel wie ein herkömmliches Medizinstudium.


In der Doku fehlende historische Daten zu Herrn Still sind:

  • Er hat kein universitäres medizinisches Studium zum Doktor der Medizin absolviert.

  • Um Anatomie zu studieren, hat er Gräber der Indianer entweiht.

  • Im amerikanischen Bürgerkrieg übte er eine aktive Rolle auf der Seiten der Sklavereigegner aus.

  • Er leugnete die zu seiner Zeit bereits von Louis Pasteur fest etablierte Existenz von Mikroben ebenso wie die von Robert Koch aufgezeigte Rolle derselben in der Entstehung von Erkrankungen.


Zurück zur Doku: Die Idee des ganzheitlichen Ansatzes verfolgte schon Still. Sein Konzept, heute als parietale Osteopathie bekannt, befasst sich mit Knochen, Muskeln, Sehnen, Bändern und Gewebe - den sogenannten Faszien.

1930 erweiterte ein Schüler Stills die Osteopathie um die Craniosacrale Methode, die Gewebespannungen vom Schädelknochen (Cranium) bis zum Kreuzbein (Sacrum) untersucht. Feinster Druck soll auf das zentrale Nervensystem wirken und die Wirbelsäule beweglicher machen.

Vor 40 Jahren kam ein dritter Bereich hinzu: die viszerale Osteopathie, abgeleitet vom lateinischen “viscera”, was Eingeweide bedeutet. Mit ihr lässt sich die Beweglichkeit der inneren Organe ertasten. Maßgeblich entwickelt hat sie der Franzose Jean-Pierre Barral. Seine ersten Entdeckungen machte er in den 1960er Jahren als Physiotherapeut in einem Krankenhaus.


In Deutschland ist Osteopathie als medizinische Qualifikation nicht anerkannt. Man darf sie nur als Zusatz zu einer beruflichen medizinischen oder heilpraktischen Ausbildung ausüben.


Ab 44 Minuten macht ein über einen Doktortitel verfügender Osteopath Faszienforschung, indem er Muskelspannung mit Ultraschall misst. Die Spannung der Rückenmuskeln wird vor und nach einer sanften osteopathischen Behandlung gemessen. Die Patientin sitzt in einer entspannten Position. Die gemessene Spannung steigt anschließend: “Bahnbrechende Erkenntnisse für die Osteopathie!”. Danach kommen ein paar Sätze von einem Wissenschaftler, der sagt: “Solche Ergebnisse reichen nicht, nein. Entscheidend ist nachher: Haben sie weniger Schmerzen? Können sie schneller arbeiten gehen, können sie sich besser bewegen? Und das muss in diesen Studien abgefragt werden. Und zwar nicht an einem Patienten oder einer Patientin, sondern an vielen”. Danach hören wir von zwei Osteopathen. Eine sagt: “wir wünschen uns selbst größere Fallzahlen. Das ist aber wiederum abhängig von Forschungsgeldern.”. Die Andere sagt: “Wir wissen aus der Medizin, dass die meisten Studien irgendwo fremdfinanziert sind.” - “Und in der Osteopathie gibt es keine Endoprothesenhersteller, es gibt keine Medikamentenhersteller, die hinter irgendwas stehen, weil man osteopathisch eben nur mit den Händen arbeitet.”.

Es wird auch gesagt: “Placebo kommt aus der Pharmaindustrie.” und :“ich habe inzwischen fast aufgehört zu forschen, denn mir geht es darum, dem Patienten zu helfen”.


Fakten:

  • Eine kurze Suche findet im Internet osteopathische Betten zwischen 350€ und 12.500€.

  • Es gibt eine Menge Forschung zu Physiotherapie und Ergotherapie, die die Methoden wissenschaftlich beweisen. 

  • Physiotherapie ist eine beweisbasierte klinische Gesundheitswissenschaft, in der Therapeuten nur wissenschaftlich nachgewiesene Behandlungen anwenden darf.

  • Es gibt auch wissenschaftliche Artikel über Osteopathie, aber die meisten beschriebenen Forschungen wurden falsch durchgeführt.

  • Placebo kann in Nicht-Arzneimittel-Studien benutzt werden und es gibt Alternativen, z.B. Überlegenheits- oder Nicht-Unterlegenheitsstudien (superiority or non-inferiority trials).

  • Ein Bericht von 2016 kam bei der vorhandenen Datenlage zum Ergebnis, dass die Craniosacrale Methode weder für die Diagnose noch Behandlung für Patienten relevant sei.

  • Wikipedia: “Dafür, dass die parietale Osteopathie bei Rückenschmerzen hilfreich sein kann, gibt es einige Hinweise, besonders in akuten und subakuten Stadien. Eine Meta-Analyse von 2014 verglich die Osteopathie der US-amerikanischen Schule mit diversen Behandlungen (inklusive auch ohne Behandlung oder mit scheinbarer Behandlung) bei Patienten mit akuten oder chronischen unspezifischen Rückenschmerzen. Sie kam zu dem Schluss, dass osteopathische Behandlungen nicht nur den Schmerz effektiv verringern, sondern auch die Fähigkeiten des Ausübens täglicher Arbeit verbessern kann. Dies konnte auch bei Rückenschmerzen schwangerer Frauen und bei Frauen nach der Entbindung nachgewiesen werden. Jedoch ging diese Wirkung nicht über 3 Monate hinaus. Darüber hinaus räumten die Autoren ein, dass es Probleme mit der Verblindung gab, was die Ergebnisse verzerren kann. Außerdem war die Anzahl der untersuchten Patienten gering. Schließlich fehlen große, qualitativ hochwertige randomisierte Studien. Über Nebenwirkungen der osteopathischen Behandlung wurde nicht berichtet.”



Mikes Ansicht:

Die Entwicklung von beweisbasierten Methoden ist möglich.

In der Doku sehen wir “Magie”, aber es gibt fast keinen Gegenkommentar dazu oder einen Vergleich mit der Schulmedizin.

Die Geschichte der Osteopathie ist wie die Gründung der Homöopathie.

Der Dokumentarfilm ist nicht ausgewogen.


Osteopathy Complete (1898) (14756710206).jpg

1898. Osteopathische Methode für die Behandlung von Impotenz…


Quacksalberei!




https://www.arte.tv/de/videos/089059-000-A/osteopathie-heilen-mit-den-haenden/


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