Verkehrswende
Verkehrswende
Warum brauchen wir und die Erde eine Verkehrswende?
Unsere Erde erwärmt sich durch den vom Menschen verursachten Ausstoß von Treibhausgasen. 20% der Treibhausgasemissionen in Deutschland verursacht allein der Verkehr. Laut der Bundesregierung müssen im Vergleich zu 1990 die Verkehrsemissionen bis 2030 um fast die Hälfte sinken, um die vereinbarten Klimaziele zu erreichen [1]. Deshalb muss unsere Gesellschaft auf umweltfreundliche Mobilität umsteigen, wie das Fahrrad, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und emissionsfreie Autos. Ebenfalls runter müssen die Lärmemissionen und Schadstoffwerte.
Wie läuft die Verkehrswende?
Immer mehr und größere Autos rasen durch unsere Straßen. In der untenstehenden Grafik kann man sehen, dass die Zahl der PKWs pro Einwohner in jedem Bundesland von 2011 bis 2021 gestiegen ist. Deutschlands Einwohnerzahl ist von 80,27 Millionen auf 83,13 Millionen gestiegen (3,56%), deswegen gibt es heutezutage mehr Autos als je zuvor.
Autos stehen im Durchschnitt 23 Stunden am Tag. Der Anteil der Haushalte mit zwei PKWs stieg in zehn Jahren von 23,4 % auf 27,0 %, mit drei und mehr PKWs von 3,7 % auf 6,1 %.
Warum scheitert die Verkehrswende?
Laut Prof. Meike Jipp vom DLR Institut für Verkehrsforschung funktioniert “Weg vom Auto”, wenn die Alternativen vorhanden sind. Sie müssen einfach und komfortabel sein. Die Abkehr vom Auto gelingt mit einer Doppelstrategie:
Das Autofahren wird unattraktiver gemacht. Zum Beispiel kein Straßenparken und nur teure Tiefgaragen.
Die Alternativen werden leicht erreichbar, günstig und attraktiv gemacht.
In Kassel beträgt der öffentliche Zuschussbedarf (wie Investitionen in die Infrastruktur und deren Abschreibung, Lichtsignalanlagen, Winterdienst, Entwässerung, usw.) für den städtischen Verkehr knapp 71 Millionen Euro im Jahr. Diese verteilen sich auf:
29 Millionen Euro auf den ÖPNV
26 Millionen Euro auf den PKW-Verkehr
5 Millionen Euro auf den LKW-Verkehr
0,6 Millionen Euro auf den Radverkehr
Früher versuchte man, den wachsenden Autoverkehr durch immer mehr und breitere Straßen flüssiger zu machen. Das lockte immer mehr Autos an und verschärfte das Problem. Verkehrsplaner lernten, dass es umgekehrt genauso funktioniert: weniger Straßen => weniger Autos.
Die Ergebnisse einer Umfrage: welche dieser Verkehrsmittel sind für Sie privat im Alltag unverzichtbar?
Hamburg will seit Jahrzehnten Fahrradstadt werden. In den Stoßzeiten staut sich der Verkehr auf fast allen Straßen. Der Weg zur Arbeit ist für viele ein elendes Geduldsspiel. Warum scheitert die Umstellung auf das Fahrrad in Hamburg?
In Hamburg werden Radstrecken häufig so gestaltet, dass Radeln auf Tuchfühlung mit dem Schwerlastverkehr stattfindet, oft im toten Winkel von LKWs und ohne viel Platz zum Ausweichen. Hamburg setzte auf Radstreifen neben den Verkehrswegen für Kraftfahrzeuge und den baulich getrennten Bürgersteigen oder, im schlimmsten Fall, den geparkten Autos. Vielen ist somit Radfahren einfach zu gefährlich, insbesondere dicht am Auto (Dooring-Zone).
Autos und Radfahrende müssen getrennt werden. Baulich geschützte Radwege sind nötig, um das Radfahren zu fördern. Die besten Radwege verlaufen rechts von geparkten Autos mit einer Trennung. Die geparkten Autos schützen die Fahrräder vor dem Verkehr. Immer wieder sterben Radfahrende bei Abbiegeunfällen. Schuld sind fast immer die Personen am Steuer. Natürlich wollen die Autofahrenden niemanden überfahren, aber schlecht gestaltete Kreuzungen sind ein Risiko. An Kreuzungen soll es Parkverbote geben, um Sichtachsen herzustellen.
In Deutschland flossen 2020 pro Kopf 88 Euro in die Schiene, ein Sechstel mehr als 2019 und so viel wie nie zuvor. Allerdings hat die Bundesregierung das zweitwichtigste Verkehrsnetz viele Jahrzehnte massiv vernachlässigt. 2014 gab es pro Bürger 49 Euro für die Schiene, während Straßen mit Steuermitteln immer weiter ausgebaut wurden.
2020 sei mehr Geld vom Bund in Straßen als in Schienen geflossen. Für Autobahnen und Bundesstraßen gab es nach Angaben des Verkehrsministeriums 7,95 Milliarden Euro. Für Investitionen in die Schiene gab es 7,34 Milliarden. Mit den Mitteln für Landesstraßen und kommunale Straßen flossen in die Auto-Infrastruktur sogar 14 Milliarden Euro. Hinzu kommen noch die Ausgaben des Staates für Autobahnabschnitte, die privaten Betreibern überlassen werden.
Im Haushaltsjahr 2022 stehen Ausgabemittel in Höhe von rund 0,755 Milliarden Euro für den Radverkehr zur Verfügung. Yippeeee! Aber nicht.
Wie viel kosten die verschiedenen Verkehrsmittel unserer Gesellschaft?
Die externen Verkehrskosten (Unfälle, Lärm, Luftbelastung und Klimaschäden) berechnen die Kasseler Forscher mit insgesamt 73 Millionen Euro:
PKW-Verkehr: 57,5 Millionen Euro
LKW-Verkehr: 9,5 Millionen Euro
ÖPNV: 3,5 Millionen Euro
Radverkehr: 2 Millionen Euro
Fußgänger: 0,7 Millionen Euro
Radverkehr liefert durch seine gesundheitlich vorbeugende Wirkung einen Nutzen (negative Kosten) von knapp 13 Millionen Euro und bei Fußgängern knapp 68 Millionen Euro.
Die Baukosten für Verkehrsanlagen im direkten Vergleich dargestellt:
1 Kilometer Autobahn kostet circa 18,6 Mio. Euro
1 Kilometer Hauptverkehrsstraße kostet circa 4 Mio Euro.
1 Kilometer Radschnellweg kostet circa 0,9 Mio. Euro.
1 Kilometer Radweg kostet circa 0,2 Mio. Euro.
[ Quelle: Fahrradakademie am deutschen Institut für Urbanistik. ]
Autofahrer in deutschen Städten sind durchschnittlich 41 Stunden pro Jahr mit der Suche nach einem Parkplatz beschäftigt. Das verursacht pro Autofahrer im Jahr Mehrkosten in Höhe von 896 Euro, wenn man die verschwendete Zeit, den Benzinverbrauch und die zusätzliche Abgasbelastung in Betracht zieht. Demzufolge kostet die Parkplatz-Suche die Deutschen mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr.
Jeder von einem Auto gefahrene Kilometer verursacht externe Kosten von 0,11€ pro Kilometer, dahingegen verursachten Radfahren und Gehen einen Gewinn von 0,18€ und 0,37€ pro Kilometer.
Hochgerechnet auf die Gesamtzahl der Personenkilometer, die in der Europäischen Union gefahren, geradelt oder gelaufen werden, belaufen sich die Kosten der Automobilität auf rund 500 Milliarden Euro pro Jahr. Aufgrund der gesundheitlichen Vorteile liefert Radfahren einen externen Gewinn von 24 Milliarden Euro pro Jahr und Laufen 66 Milliarden Euro pro Jahr.
Was wird in anderen Ländern und Städten getan?
Barcelona verbannte den Autoverkehr aus innerstädtischen Wohnblocks. Radfahrer und Fußgänger haben Vorrang.
In Paris fielen 70.000 Parkplätze weg. Im Gegenzug wurden 400km Radwege gebaut und 60.000 Fahrradparkplätze. Im Innenstadtbereich gilt fast überall Tempo 30. Infolgedessen nahm der Autoverkehr ab.
In Deutschland werden rund 10 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad erledigt. In Dänemark beträgt der Radverkehrsanteil 18 Prozent und in den Niederlanden liegt er sogar bei 27 Prozent.
20 Euro Strafe muss ein Autofahrer in Deutschland zahlen, wenn er auf dem Radweg parkt. Das ist im europaweiten Vergleich das niedrigste Bußgeld. In Schweden werden 114 Euro fällig und in Spanien sind es 100 Euro.
Mit 587 Euro pro Bürger lässt sich Luxemburg einen attraktiven Bahnverkehr mit Abstand in der EU am meisten kosten. Das kleine Land hat wegen vieler Autopendler massive Verkehrsprobleme und will mit Verlagerung auf die Schiene auch Umwelt und Klima besser vor Emissionen schützen. Platz 2 belegt die Schweiz mit 440 Euro pro Einwohner. Dahinter folgen Österreich (249), Norwegen (228), Schweden (220), Dänemark (141), die Niederlande (132), Großbritannien (131) und Italien (120).
Die niederländischen Straßen sind die sichersten der Welt für Radfahrer. Die Radwege sind fast überall vom Autoverkehr getrennt. Studien haben außerdem gezeigt, dass alleine die Menge der Radfahrer zu mehr Verkehrssicherheit auf zwei Rädern führt. In den Niederlanden nutzt mehr als ein Drittel der Bevölkerung das Fahrrad als Hauptverkehrsmittel. Die niederländischen Gesetze sind bei Unfällen mit Radfahrern sehr streng, um dafür zu sorgen, dass Autofahrer deren Sicherheit auch wirklich ernst nehmen.
Welche Maßnahmen können wir in Deutschland ergreifen?
Wie politisch versprochen, sollten wir mehr Geld in die Schiene als in den Autoverkehr investieren.
Wir benötigen Nachtzüge, um Flugzeuge zu ersetzen. Wie wäre Berlin nach London in einer Nacht ohne Warteschlangen für Pässe und Zeitverschwendung am Flughafen?
Wir müssen unbedingt sichere, baulich geschützte Fahrradwege bauen.
Unser ÖPNV muss besser geplant werden, um ein richtiges Transportnetz anzubieten.
Den Autos sollte weniger Platz zur Verfügung gestellt werden und sie sollten langsamer fahren. Wir werden unsere Straßen zurückerobern.
Für den motorisierten Verkehr sollten die vollen wirtschaftlichen Kosten bezahlt werden.
Größere Autos werden uncool gemacht.
Der Flugverkehr sollte höher besteuert werden, um die verursachten Umweltschäden zu beseitigen.
Auf dem Land müssen Bürger ihr eigenes Fahrzeug besitzen, aber warum so groß?
Die E-Mobilität sollte in Kombination mit einem ÖPNV-Netz für fast alles reichen.
Natürlich müssen für die Beförderung von Gütern größere Fahrzeuge benutzt werden.
Car-Sharing sollte zum Beispiel mit Steuererleichterungen gefördert werden.
Fazit:
Von A nach B zu kommen, ist wie ein Spiel mit Regeln und Grenzen. Momentan gib es viel Platz für Autos. Es wird mehr in Straßen, Autobahnen und Parkplätze für Autos investiert. Die Bahn hat immer Verspätung. Radfahren auf den meisten Straßen ist lebensgefährlich.
Ganz einfach müssen die Mobilitäts-Spielregeln geändert werden!
Quellen:
ARD Doku: Aus für das Auto - wie kann die Verkehrswende gelingen?
NDR Doku: Vorfahrt für Fahrrad?
FaZ Artikel: Warum die Verkehrswende scheitert
https://thecycleverse.com/de/blog/verkehrswende-statistiken
https://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrswende
https://www.unikims.de/blog/autoverkehr-kostet-die-kommunen
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